Babynahrung
Babynahrung oder Säuglingsnahrung ist der Oberbegriff für alle Lebensmittel, die für die Ernährung von Säuglingen besonders geeignet sind. Die natürliche Anfangsnahrung ist Muttermilch, die optimal den Bedürfnissen des Säuglings entspricht. Die industriell hergestellte Babyfertignahrung wird unterteilt in Säuglingsanfangsnahrung, Folgenahrung und Beikost. (Vertiefende Informationen erhalten Sie im weiteren Verlauf dieser Seite)
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Wikipedia Veröffentlichung zu Babynahrung (Stand April 2010) Autoren.
Babynahrung oder Säuglingsnahrung ist der Oberbegriff für alle Lebensmittel, die für die Ernährung von Säuglingen besonders geeignet sind. Die natürliche Anfangsnahrung ist Muttermilch, die optimal den Bedürfnissen des Säuglings entspricht. Die industriell hergestellte Babyfertignahrung wird unterteilt in Säuglingsanfangsnahrung, Folgenahrung und Beikost. Beikost besteht in der Regel aus schwach gewürztem Obst- oder Gemüsebrei, teils auch aus püriertem Fleisch und kann auch selbst hergestellt werden. Mit etwa zwölf Monaten können Kleinkinder allmählich an Erwachsenenkost gewöhnt werden.
Die Vorstellungen darüber, welche Nahrung für Säuglinge geeignet ist, sind kulturell beeinflusst, nicht universell in allen Kulturen gleich und auch keine historische Konstante. Die Erkenntnisse der modernen Medizin sind nur ein Faktor, der erst in der jüngsten Vergangenheit in Industrieländern die wesentliche Rolle bei der Nahrungsauswahl spielt.
So bestand in der Frühzeit der Menschheit Babynahrung neben Muttermilch aus vorgekauter geeigneter Erwachsenennahrung. Auch das Säugen durch Ammen war bereits vor Jahrtausenden bekannt. Seit dem Mittelalter galten in Europa vor allem Mehlbrei und Brotsuppe als optimale Säuglingskost. Obst, Gemüse und Fleisch wurden erst im 19. Jahrhundert als geeignete Beikost angesehen. Zu dieser Zeit kam auch die erste industriell hergestellte Babynahrung auf den Markt.
Wenn der Säugling noch teilweise gestillt und Säuglingsfertigmilch zugefüttert wird, spricht man auch von Zwiemilchernährung.
Marktführer bei Babyfertignahrung sind in Deutschland Hipp, Humana, Milupa und Nestlé. Der Gesamtumsatz mit Lebensmitteln für Säuglinge beträgt rund 600 Mill. Euro. Davon entfällt etwa die Hälfte auf Babykost in Gläsern und rund ein Drittel auf Säuglingsmilchnahrung.
Einführung
Der Energiebedarf von Säuglingen ist auf Grund des Wachstums mit etwa 90 kcal (377 kJ) pro Kilogramm Körpergewicht zwei- bis dreimal höher als bei Erwachsenen. Damit dieser Bedarf gedeckt wird, muss der Fettanteil der Nahrung 35 bis 50 Prozent betragen, der Kohlenhydratanteil nur etwa 45 Prozent. Auch der Eiweißbedarf ist relativ höher als bei Erwachsenen und liegt bis zum Alter von zwei Monaten täglich bei 2,0 bis 2,7 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht, danach bei 1,1 bis 1,5 Gramm (Erwachsene: 0,8 g). Der Flüssigkeitsbedarf ist ebenfalls größer, weil die Nieren noch nicht voll ausgereift sind und mehr Flüssigkeit über Atmung und Haut verloren geht.
In den ersten Lebensmonaten funktioniert die Verdauung nur eingeschränkt; Neugeborene besitzen noch keine Darmflora und die Darmschleimhaut ist noch nicht ausgereift. Auch einige für die Nahrungsverarbeitung notwendige Enzyme werden vom Körper erst später gebildet. Aus diesen Gründen können Babys in der ersten Lebensphase nur mit Muttermilch oder mit speziell für sie konzipierten Produkten ernährt werden. Die Kost soll ungewürzt und salzarm sein.
Moderne Säuglingsfertignahrung entspricht in ihrer Zusammensetzung weitgehend der Muttermilch und darf nach den gesetzlichen Vorgaben weder Bakterien noch Schadstoffe enthalten. Sie unterliegt der Diätverordnung und enthält daher definierte Mindestmengen an Vitaminen und Mineralstoffen sowie Höchstmengen an Fett und Kohlenhydraten. Dadurch müssen auch Hersteller von Bio-Lebensmitteln ihre Produkte mit synthetischem Vitamin B1 anreichern. Fertige Gemüse- und Obst-Breie erreichen die Vorgaben in der Regel ohne Vitaminzusatz.
Als Beikost werden alle Lebensmittel und Zubereitungen bezeichnet, die für Säuglinge etwa ab dem zweiten Lebenshalbjahr geeignet sind und die als Ergänzung der Milchnahrung dienen, um die Umstellung auf feste Nahrung vorzubereiten. Spätestens ab dem siebten Monat deckt auch Muttermilch allein nicht mehr den kompletten Nährstoffbedarf des Säuglings und die Milchmahlzeiten müssen ergänzt und nach und nach ersetzt werden. Beikost soll wenig Speisesalz und Zucker und keine scharfen Gewürze enthalten.
Industriell hergestellte Beikost ist in unterschiedlichen Zusammensetzungen erhältlich, zum Beispiel als Brei oder Mus in Gläsern oder als Pulver zum Anrühren für Babybrei. Grundsätzlich kann Beikost aber auch im Haushalt selbst hergestellt werden, angepasst an den Bedarf und das Verdauungssystem des Säuglings.
Ab dem siebten Lebensmonat und mit dem Durchbruch der Zähne wird die Auswahl der angebotenen Nahrung erweitert, es kommen Lebensmittel mit fester Konsistenz hinzu. Ab einem Jahr können Kleinkinder allmählich dieselbe Kost essen wie Erwachsene.
Fertignahrung
Die erste Fertignahrung für Babys entwickelte Justus von Liebig im Jahr 1865, zunächst in flüssiger Form als „Suppe für Säuglinge“. Einige Zeit später brachte er eine Fertignahrung in Pulverform auf den Markt, die allgemein als Kindermehl bezeichnet wurde. Beide Produkte wurden ab 1866 in mehreren europäischen Ländern verkauft, wobei Liebigs Renommee zum Verkaufserfolg beitrug. Es handelte sich aber noch nicht um ein Instantprodukt, das nur mit Wasser oder Milch angerührt wurde, sondern um mehrere Komponenten. Um die Verdaulichkeit zu verbessern, setzte Liebig auf eine Art von „Vorverdauung“ der Stärke durch einen Maischprozess. Die Mütter stellten einen Brei aus Mehl und Milch her, versetzten ihn mit Gerstenmalz und doppelt kohlensaurem Kalisalz, wärmten ihn und ließen ihn eine halbe Stunde stehen. „Das ganze Prozedere war also nicht nur umständlich, sondern vor allem zeitaufwändig. Bis man dem Kind etwas zu essen geben konnte, war über eine Stunde vergangen“. Liebigs Produkte wurden zunächst in Apotheken verkauft und wegen der komplizierten Zubereitung teilweise dort auch schon fertig hergestellt. In München boten zwei Apotheker frisch zubereitete Liebig-Suppe in Einzelportionen an; 1866/67 verkaufte alleine eine davon innerhalb von elf Monaten 30.000 Portionen.
Kurze Zeit später folgte in der Schweiz Henri Nestlé mit einem Produkt, das Liebigs Rezeptur mit kondensierter Milch kombinierte und das im Frühjahr 1868 als Pulver (Kindermehl) auf den Markt kam. Es wurde mit Wasser aufgekocht. Im ersten Jahr verkaufte er 8600 Dosen, 1875 waren es 1,44 Millionen. Zu diesem Zeitpunkt wurde das Fertigprodukt bereits in 18 Ländern vertrieben, die größten Umsätze wurden in Deutschland, der Schweiz, Frankreich, Russland und Österreich erzielt. Nestlé war einer der ersten Unternehmer seiner Zeit, der mit großem Aufwand für seine Produkte warb. Philipp Biedert analysierte zu dieser Zeit als erster die chemische Zusammensetzung von Muttermilch und Kuhmilch und entwickelte anhand dieser Erkenntnisse ein Präparat, das als Biedert’s Rahmgemenge in Apotheken verkauft wurde. 1874 folgte als Instantversion Biedert’s Kindernahrung in Dosen, deren Inhalt von butterähnlicher Konsistenz nur noch mit Wasser oder Milch verrührt werden musste. Außerdem kam eine so genannte peptonisierte Milch unter dem Namen Voltmersche Milch in den Handel, der Verdauungsenzyme der Bauchspeicheldrüse zugesetzt waren, um die Milch so künstlich „vorzuverdauen“.
Zahlreiche Hersteller folgten innerhalb kurzer Zeit mit Nachahmerprodukten, die ebenfalls als Kindermehl bezeichnet wurden. „Die meisten Kindermehle sind in der Weise hergestellt, daß Kuhmilch zu sirupartiger Konsistenz verdampft und dann, mit aufgeschlossenem Getreidemehl und mehr oder weniger Zucker vermischt, eingetrocknet und gemahlen wird. Andere haben statt der Milch nur einen Zusatz von Fett (Rahm oder Butter) erhalten, die übrigen sind nichts als aufgeschlossene und besonders präparierte Mehle von Getreide oder Hülsenfrüchten oder einem Gemisch beider.“ Die Pulver wurden von jüngeren Säuglingen in der Regel aber nicht gut vertragen, außerdem enthielten sie weder Vitamine noch Mineralstoffe, da deren Bedeutung noch nicht bekannt war.
Der amerikanische Lebensmittelhersteller Gerber war im Jahr 1928 das erste Unternehmen weltweit, das püriertes Obst und Gemüse in Dosen als Babynahrung anbot. Die ersten Produkte waren Erbsen, Karotten, Spinat und Pflaumen.
1929 kam in den USA das erste Fertigpräparat auf der Basis von Sojamehl anstelle von Milchpulver auf den Markt. Auf Grund des hohen Ballaststoffgehalts bekamen die Säuglinge davon jedoch Durchfall. Seit Mitte der 1960er Jahre wird Säuglingsnahrung aus Soja deshalb aus isolierten Sojaproteinen hergestellt.
1932 stieg die Firma Milupa mit Paulys Nährspeise, die aus in Milch aufgelöstem Zwiebackmehl bestand, in die Produktion von Säuglingsnahrung ein. Der Münchner Kinderarzt Günther Malyoth entwickelte 1934 einen „Säuglingsnährzucker“ unter dem Namen Alete. Die Markenrechte besitzt heute das Unternehmen Nestlé. Es brachte zeitgleich mit Hipp Mitte der 1950er Jahre die ersten Gemüsebreie für Babys als Konserven auf den Markt, seit 1959 abgefüllt in Gläschen. 1959 gab es fertigen Grießbrei von Milupa. Fünf Jahre später entwickelte das Unternehmen die erste synthetische Milch namens Milumil. In der Nachkriegszeit wurden die Milchpräparate immer stärker an die Zusammensetzung von Muttermilch angeglichen und als „humanisiert“ oder „adaptiert“ bezeichnet. In den letzten Jahrzehnten wurden vor allem hypoallergene Produkte entwickelt.
Industriell hergestellte Babynahrung
Säuglingsanfangsnahrung
Als Säuglingsanfangsnahrung werden lebensmittelrechtlich alle Lebensmittel und Produkte bezeichnet, die speziell für die Ernährung in den ersten sechs Lebensmonaten bestimmt sind und alle Nährstoffe enthalten, die der Säugling benötigt. Die natürliche Anfangsnahrung ist die Muttermilch. Für die Zubereitung der Fertigprodukte wird in manchen Fällen noch Wasser hinzugefügt. Industriell hergestellte Anfangsnahrung aus Kuhmilch wird als Säuglingsmilchnahrung bezeichnet. Bei den Fertigprodukten wird in Deutschland unterschieden zwischen Pre-Nahrung (früher adaptierte Säuglingsmilchnahrung), die weitgehend der Zusammensetzung der Muttermilch entspricht und als einziges Kohlenhydrat Laktose enthält, und 1-Nahrung (früher teiladaptierte Säuglingsmilchnahrung), in der auch andere Kohlenhydrate wie Saccharose vorkommen. Die Pre-Nahrung ist vor allem für Neugeborene besser verträglich. Für unreife Frühgeborene gibt es spezielle Fertigprodukte mit erhöhtem Kohlenhydratanteil und weniger Laktose. Der Energiegehalt liegt mit 80 kcal/dl (335 kJ/dl) um 10–20 kcal/dl über dem von normaler Anfangsnahrung und auch von Muttermilch.
Folgenahrung
Folgenahrung für Säuglinge sind im Lebensmittelrecht alle Lebensmittel und Produkte, die speziell für Säuglinge etwa ab dem vierten Monat bestimmt sind und wie die Anfangsnahrung eine flüssige Konsistenz haben, aber mehr Kohlenhydrate in Form von Stärke enthalten. Produkte, die ausschließlich auf der Basis von Kuhmilch hergestellt werden, heißen Folgemilch. Die Zusammensetzung muss nach der Diätverordnung den kompletten Ernährungsbedarf des Babys decken. Für die Zubereitung wird teilweise Wasser zugefügt.
Spezialnahrung
Kinder von Allergikern haben eine erhöhte erbliche Allergieneigung. Da bei Babys die Darmschleimhaut noch durchlässig ist und artfremdes Eiweiß, zum Beispiel aus Kuhmilch, eine Lebensmittelallergie auslösen kann, gibt es auf dem Markt so genannte hypoallergene Säuglingsnahrung, auch Hydrolysat-Formula oder HA Nahrung genannt, bei der das enthaltene Eiweiß durch Hydrolyse gespalten oder denaturiert wurde. Die HA Nahrungen werden zur Allergieprävention bei allergiegefährdeten Säuglingen empfohlen. Zur Therapie bei einer festgestellten Eiweißallergie hingegen werden Spezialnahrungen aus stark gespaltenem Hydrolysat oder aus einer Aminosäurenmischung eingesetzt. Bei der Aufspaltung des Caseins in Kuhmilch werden jedoch bittere Peptide freigesetzt, so dass diese Produkte bitter schmecken. Besonders stark hydrolisierte Formulaprodukte werden auch als semi-elementare Nahrung bezeichnet. Lebensmittelrechtlich handelt es sich dabei um „Heilnahrung“, die therapeutisch bei Erkrankungen wie Durchfall und Dyspepsie eingesetzt wird.
Da bei gestillten Babys in der Darmflora vor allem Bifidusbakterien vorkommen, die für einen pH-Wert sorgen, der die Vermehrung von Fäulnisbakterien hemmt und das Risiko von Darminfektionen und Durchfall deutlich verringert, setzen Hersteller einigen Fertigprodukten mittlerweile so genannte Probiotika oder Prebiotika (spezielle Ballaststoffe) zu, die ebenfalls zur Bildung dieser Bakterien im Darm führen sollen. Als positive Effekte dieser probiotischen Säuglingsnahrung werden die Prävention von Durchfall, Verstopfung und atopischen Ekzemen angegeben. Die gewünschte Veränderung der Darmflora durch Probiotika wurde in Studien nachgewiesen, über die Wirkung stehen entsprechende Studienergebnisse noch aus. Aktuelle Studien mit bestimmten Prebiotika zeigen sowohl die Entwicklung einer bifidusdominanten Darmflora als auch einen deutlichen allergiepräventiven Effekt. Darüber hinaus konnte in klinischen Studien gezeigt werden, dass diese Prebiotika einen signifikanten Beitrag zur Reduzierung des Infektionsrisikos leisten können. Ein positiver immunmodulatorischer Effekt scheint somit gegeben zu sein.
Werberichtlinien
Innerhalb der EU gibt es Richtlinien für die Werbung von Säuglingsfertignahrung, die alle Werbemaßnahmen verbieten, die darauf ausgerichtet sind, Mütter gezielt vom Stillen abzuhalten. So nimmt Richtlinie 91/321/EWG Bezug auf den Internationalen Kodex für die Vermarktung von Muttermilchersatz. Die Richtlinien werden in den Ländern jeweils durch nationale Gesetze umgesetzt, in Deutschland durch das Säuglingsnahrungswerbegesetz von 1994. Danach ist es verboten, Fertigprodukte als der Muttermilch völlig gleichwertig oder überlegen darzustellen. Erlaubt sind nur wissenschaftlich bestätigte Sachaussagen über die Produkte. Die Begriffe „humanisiert“ und „maternisiert“ dürfen nicht mehr verwendet werden, für den Begriff „adaptiert“ gibt es genaue Vorgaben. Eine idealisierte Darstellung von Flaschennahrung durch Text oder Bild ist verboten. Die Hersteller müssen in Broschüren u. Ä. immer auf die Vorzüge von Muttermilch hinweisen. Auch das Verteilen kostenloser oder verbilligter Produktproben ist nicht erlaubt.
Allgemeiner gesprochen beinhalten auch die Europäischen Richtlinien 2006/82/EG, 1999/21/EG, 96/4/EG und 91/321/EWG Regelungen zur Säuglingsfertignahrung.
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