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Der Brockhaus definiert die chemische Industrie als eine, "die sich ausschließlich oder vorwiegend mit der Umwandlung von natürlichen und mit der Herstellung von synthetischen Rohstoffen befasst." Abgrenzungen sind schwierig und nicht einheitlich. (Vertiefende Informationen erhalten Sie im weiteren Verlauf dieser Seite)

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Wikipedia Veröffentlichung zur Chemischen Industrie (Stand April 2011) Autoren.

Die Chemische Industrie (auch Chemieindustrie, Chemiewirtschaft, chemisches Gewerbe) ist ein Wirtschaftszweig (Branche), der sich mit der Herstellung chemischer Produkte beschäftigt.

Gewerbe der chemischen Industrie
Im Brockhaus findet man die folgende Definition:
„Im weiteren Sinne diejenigen Industrien, die sich ausschließlich oder vorwiegend mit der Umwandlung von natürlichen und mit der Herstellung von synthetischen Rohstoffen befassen. Abgrenzungen sind schwierig und nicht einheitlich.“
Seifen beispielsweise werden durch chemische Umwandlung von Fetten und Ölen (natürliche Rohstoffe), Kunststoffe werden aus Stoffen wie Ethylen, Styrol, Vinylchlorid (synthetische Rohstoffe) hergestellt. Diese Bereiche gehören eindeutig zur Chemieindustrie. Beim Kuchenbacken findet auch eine chemische Umwandlung statt, jedoch gehört ein derartiges Gewerbe zur Lebensmittelindustrie. Auch das Gewerbe, das Kunststoffe (unter Zusatz von Pigmenten und anderen Stoffen) verarbeitet (z. B. Reifen, Tragebeuteln), gehört nicht zur Chemieindustrie, sondern zur Kunststoffindustrie – obgleich auch hier chemische Umwandlungen stattfinden.

Zur Chemieindustrie gehören etwa auch: Gewerbe, die sich mit der Herstellung von Anstrichfarben, Kosmetika, Pharmazeutika, Pflastern, Pyrotechnika (Feuerwerkskörpern) befassen – mitunter findet in diesen Betrieben keine chemische Stoffumwandlung statt, und es werden lediglich chemische Spezialchemikalien von Großherstellern in geeigneter Weise mit physikalisch-chemischen Verfahren verarbeitet (vermischt, vermahlen, extrahiert, emulgiert).

Nicht zur chemischen Industrie gehören: Die Herstellung von Braunkohlenkoks, Teerprodukten, die Herstellung von Heizöl, Mineralölen für Autos, Flugzeuge, Schmierölen, der Raffineriegase (Propan-, Butan-, Ethylen, Propylen, Butadien), die Anreicherung von Uran (Kokerei- und Mineralölindustrie, bzw. Spalt- und Brutstoffindustrie). Die Metallherstellung (Metallindustrie), die Glas- und Keramikherstellung (Glas-, Keramikindustrie), die Herstellung von Leder (Lederindustrie), die Verwertung von Altmetallen, Alttextilien, Altölabfällen, Bruchglas, Elektronikschrott (Recyclingindustrie) sowie die Herstellung von Kokerei-, Hochofengase, Grubengas, Biogas, Dienstleistungen der Gasversorgung (Energieversorgung) und die Aufarbeitung von Wasser mit Trinkwasserqualität (Wasserversorgung), obgleich in diesen Bereichen chemisches Wissen benötigt wird.

Nach der Zuordnung des deutschen Statistischen Bundesamtes fallen die gewerblichen Hersteller von den folgenden Produkten (chemische Produkte nach Produktklassifikation) zur chemischen Industrie:

Anorganische Grundstoffe und Chemikalien
Organische Grundstoffe und Chemikalien
Düngemittel, Pflanzenbehandlungsmittel und Schädlingsbekämpfungsmittel
Kunststoffe und synthetischer Kautschuk
Pharmazeutische Erzeugnisse
Sonstige chemische Erzeugnisse (Klebstoffe, Gelatine, Hilfsstoffe für die Leder, Textilien, Farbstoffe und Pigmente, Papier, Dichtungsmaterialien, Bautenschutzmittel, Fotochemische Erzeugnisse, Seifen, Wasch-, Putz-, Reinigungsmittel, Körperpflegemittel (Kosmetika), Konservierungsmittel, pyrotechnische Erzeugnisse, Sprengstoffe).

Geschichtliches
Die chemische Industrie ist ein Wirtschaftszweig, der in Europa und den USA etwa 1850 eine eigenständige Industrie wurde. Ausgangspunkte für die Entstehung der chemischen Industrie waren das Bleikammerverfahren (1746 Roebuck, Schottland) zur Herstellung von Schwefelsäure, die Herstellung von Soda (von Nicolas Leblanc 1791 entwickelt), die industrielle Herstellung von Chlorkalk (1799 Tennant, England), gefolgt von der Teerfarbenproduktion (Perkin 1856, England, Beginn der organischen Chemieindustrie), der Produktion von synthetischen Düngemitteln (Kalisalzen, 1857), dem ersten Kunststoff (Celluloid, 1869) und Farbstoffen. Ende des 19. Jahrhunderts wurden von Chemikern schließlich pharmazeutische Wirkstoffe entwickelt - Acetylsalicylsäure als Schmerzmittel, Chloralhydrat als Schlafmittel, Ether als Narkotikum.

Das Aufblühen der chemischen Industrie ging Hand in Hand mit der Wissenzunahme und der Zahl der Absolventen in der Chemie. Zwischen 1860-1900 stiegen sowohl die Zahl als auch die Größe von Chemieunternehmen schnell an. Die Badische Anilin- und Sodafabrik (BASF, gegr. 1865) beschäftigte 1885 2.330 Arbeiter und Angestellte, 1890 waren es 3.596, 1895 4.600 und 1900 6.711, davon etwas über 100 Chemiker. Bei Bayer/Elberfeld (gegr. 1863) gab es 1885 zunächst 24 Chemiker und 300 Arbeiter, und 1896 waren es 104 Chemiker und 2.644 Arbeiter.
Die Chemie und die Chemiewirtschaft galten in dieser Phase als friedens- und damit staatserhaltend. Düngemittel, Pflanzenschutzmittel und Herbizide steigerten die Erträge in der Landwirtschaft. Farbstoffe und Pigmente brachten Farben für Kleidung, für Druckerzeugnisse, für Häuserfassaden, und für die Fotografie. Kunstfasern erhöhten das Angebot an preiswerten Textilien. Kunststoffe brachten ein großes Angebot an preiswerten Gütern für Haushalte und Gewerbe. Arzneimittel verbesserten den Gesundheitszustand und senkten das Infektionsrisiko bei gefährlichen ansteckenden Krankheiten (Tuberkulose, Syphilis, Diphtherie).

Bismarck bemerkte einmal, dass „es weniger die friedliche Gesinnung aller Regierungen ist, die den Frieden bisher erhält, als die wissenschaftliche Leistungsfähigkeit der Chemiker“.

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